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Hammertage in den Alpen – Die Spitzenpiloten im Interview Friday, 14. May 2021 translate news

„Solche Wetterlagen gibt es vielleicht alle zehn Jahre“, schätzte Markus Gusenleitner nach seinem 1800-Kilometer-Flug am Dienstag von Wiener Neustadt aus. Dabei hatte es schon am Montag zu Rekordstrecken gereicht. Da hatte Mathias Schunk 1643 Kilometer von Königsdorf aus geschafft. Auf seiner Anmeldung standen 1700 Kilometer, und die wären wohl auch drin gewesen, hätte es an der zweiten Wende weit in den Westalpen nicht schon stark geregnet.

Markus Gusenleitner

Das Windfeld dieses Superföhns hatte sich von Montag bis Dienstag langsam über die Alpen nach Osten wegbewegt. Mathias Schunk: „Die beste Periode war wohl von Montagmittag bis Dienstagmittag. Aber wir fliegen nachts ja nicht.“ Gute Leewellen bildeten sich am Montag weiter in den Ostalpen tastsächlich erst am Nachmittag aus.
 

Lilnks: Markus Gusenleitner fliegt mit einem Ventus 2CM von Wiener Neustadt aus.

Unten: Mathias Schunk in seinem Quintus M. / Yves Gerster startet mit seiner JS1 in Courtelary.

 

 

Die Lage am Montag passte Mathias Schunk aber schon gut ins Konzept: „1700 Kilometer über vier Schenkel gehen von Königsdorf aus nur mit einem Westabflug.“ Und dafür suchte er dann die erste Wende nach vielen Analysen von Wellenflügen in den Westalpen weit in einem Bereich, der für ihn absolutes Neuland bedeutete. Mathias: „Soweit im Westen war ich wellentechnisch noch nie.“ Und trotzdem: „Die erste Strecke, bis fast an den Genfer See, war fast unproblematisch, lediglich nördlich von Eiger, Mönch und Jungfrau, wo ich unter Flugfläche 130 sinken musste, gab es mal einen kurzer Hänger.“ Zurück nach Osten ging’s dann mit deutlicher Rückenwindkomponente in Rekordgeschwindigkeit: Nach nur einer Stunde waren 250 Kilometer abgespult.

Gleich am Montagmorgen nutzte Yves Gerster die Westkomponente aus dem Jura, von Courtelary aus. Für den Einstieg hatte er einen langen F-Schlepp durchs Schweizer Mitteland in Kauf genommen. Für den Welleneinstieg am Urmi-Berg brauchte er nach dem Klinken auch noch einen langen Gleitflug. Yves war sich aber sicher: „Der Welleneinstieg bei Luzern am Vierwaldstätter See ist der tiefste, den ich kenne. Und er ist sehr sicher.“

War seine 1500-Kilometer-Strecke dann fest geplant? Yves: „Zum Schlepppiloten habe ich am Morgen gesagt, es könnten 1500 Kilometer werden. Aber die Wendepunkte habe ich nicht genau geplant.“

Im Bereich Brenner kehrte er wieder um und damit in einer Zeit zurück in die Schweiz, in der aufgrund militärischer Flüge maximal Höhen bis 3950 Meter erlaubt sind. Schon östlich des Rheintals ging es deshalb ungemütlich tief herunter. „Bei der starken Bewölkung war es schwierig den Wellenanschluss zu halten. Ich habe noch weit in den Alpen versucht, im Hangflug durchzukommen. Das war aber wegen der teils aufliegenden Bewölkung nicht möglich.“ Die Rettung waren dann mit einem deutlichen Abstecher nach Norden die Churfirsten am Walensee. Yves: „Die haben gut funktioniert. Ich konnte dann ab Mollis eine Wellenlinie nutzen und auf direktem Weg ins Hauptsystem.“ Später am Nachmittag – das Militär macht um 16 Uhr Feierabend – erhielt er sogar sehr großzügige Freigaben. Yves: „Das ging bis Flugfläche 250, also rund 7500 Meter.“

Nur der Heimflug nach Couterlary war trotzdem alles andere als unproblematisch. Yves: „Die Front hatte beim Abflug aus den Alpen Courtelary schon erreicht, es regnete und das Mittelland bedeckten unterschiedlich hohe Wolkenschichten. Ich hatte schon mit einer Landung in Bern beziehungsweise in Grenchen gerechnet. Dann gab es aber eine kleine Lücke, die erlaubte, runterzugehen. Ich bin schließlich in strömendem Regen gelandet.“ Nach 1500 Kilometern!

Mathias Schunk hatte es auf dem zweiten Westschenkel nach dem flugsicherungsbedingten Abtauchen unter 3950 Meter erheblich schwerer, wieder Anschluss zu finden. Im Lee der höchsten Berge, Eiger, Mönch und Jungfrau, verbastelte er eine ganze Flugstunde! Der Rechner sagte ihm sogar, dass er in der Zeit rückwärts geflogen sei. Mathias: „Diese 60 Minuten waren schon sehr anstrengend!“ Wieder oben, lag die Wende im Westen schon voll im Regen und war nicht mehr anfliegbar.

Auf die letzten Kilometer zur Vollendung von freien 1700 Kilometern verzichtete er dann zugunsten einer sicheren Landung in Königsdorf. Am nächsten Tag sollte es ja noch einmal sehr gut werden.

Und das nutzte Markus Gusenleitner so richtig aus. Ganz bewusst? Markus: „Mit 1500 Kilometer hatte ich schon gerechnet, aber mit 1800, nein!“ Der Erfolg stellte sich in dem spannenden Mix von Wellen- und Hangflug ein. Die Streck bis zur ersten Wende bei St. Anton erfolgte dank Leewellen im oberen Höhenband. Markus: Ich hätte den Schenkel noch bis Liechtenstein ausdehnen können, die Parseierspitze erreichte ich aber in einer ungünstigen Höhe für den Weiterflug. Um keine Zeit zu verlieren, habe ich dort umgedreht. Schon ab Innsbruck lief es nicht mehr optimal, weiter nach Westen gab es sehr starkes Sinken.“

Und warum ging es nach Innsbruck dann nur noch im Hangflug weiter? Markus: „Ich habe die Wellenaufwindbänder schlicht verloren, andererseits ist Hangflug meine Spezialität. Ab Dachstein waren nach Osten wohl auch keine Wellen mehr vorhanden.“

Welch konfuses Wolkenbild die Wellen weiter im Westen abgeliefert haben, hat Wellenflugnovize Konrad Mahlknecht bei seinem Flug von Kufstein aus mit eindrucksvollen Fotos festgehalten. Markus: Ja, der Flug ist optisch ein Leckerbissen.“

Ab Trieben im Hangflug weiter nach Osten zu fliegen, ist dann auch nicht mehr jedermanns Sache – in geringer Höhe den Bergflanken entlang, ohne Aussicht auf befreiende Fluchtmöglichkeiten wie im Bereich Pinzgau, Salzach- oder Ennstal.

Markus: „Ja, das sieht dort wirklich grimmig aus. Das würde ich auch keinem Anfänger empfehlen. Es hat viele Jahre Arbeit gekostet, sich dem Gebiet so zu nähern, dass man dort sicher am Hang fliegen kann.“

Untertreibt Markus Gusenleitner dann nicht ein bisschen, wenn er seinen Flug so zusammenfasst: „Ich bin noch nie ein 1000er geflogen, das so einfach war wie dieser Flug. Es war alles sehr unspektakulär. Der Wind war nicht so stark und man konnte in großem Abstand vom Hang fliegen. Im Ennstal war es überhaupt nicht turbulent. Weiter im Osten, im Großraum Hochschwab sah es schon anders aus. Da bin ich einmal richtig durchgeschüttelt worden. Im Cockpit hat es alles umeinander gewirbelt. Ich hatte danach auch keine Kamera mehr. Die Kontrolle habe ich aber für keinen Moment verloren. Das Flugzeug hat sich nie umgedreht!“

Der weiteste nächste westliche Wendepunkt war der Wilde Kaiser. Markus: Das war eine Komfort-Entscheidung. Das Inntal kanalisiert ja sehr stark und ab Kufstein ist es oft schwierig, weiterzukommen.“

Ohne Frage sind solche langen Flüge in extremen Bedingungen physisch sehr anstrengend, auch wenn Markus Gusenleitner seinen unterhalb der eines 700er Thermikflugs einordnet. Mathias Schunk verzichtete für sein 1700er Vorhaben auf den Sonntagsflug, um ausreichend Kraft zu schöpfen und sein Flugzeug vorzubereiten. Am Dienstag war er auch wieder in der Luft, hatte aber erneut die Wende zu weit in den Westen gelegt. „Hätte ich früher gedreht,

wären vielleicht 2000 Kilometer drin gewesen. Aber ob ich überhaupt noch die Fitness für solch einen langen Flug gehabt hätte, wäre wieder eine andere Frage gewesen.“ Die Fitness ist ebenfalls bei Yves Gerster ein Thema: „Nach dem Flug vom Sonntag versuchte ich so schnell wie möglich ins Bett zu kommen, um für den Flug am Montag wieder fit zu sein."

Und was kommt jetzt? Mathias Schunk ist für die Alpen sicher: „Die 2000 Kilometer über sechs Schenkel sind prinzipiell möglich und auch die über vier nicht ganz auszuschließen!“

Gerhard Marzinzik


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